Val Lumnezia
In Ilanz beginnt das grösste Seitental der Surselva: das Val Lumnezia oder Lugnez, von dem nach einigen Kilometern das Valsertal abzweigt. Beide Täler wurden von Süden her besiedelt und blieben noch bis ins späte 19. Jh. dorthin ausgerichtet - das Valsertal zum Rheinwald hin, das Val Lumnezia zum Val di Blenio im Tessin. Auch das Vieh wurde zum Jahrmarkt nach Lugano oder sogar nach Mailand getrieben.
Charakteristisch für das von der Landwirtschaft geprägte Val Lumnezia, das als regelrechte Sakrallandschaft bezeichnet wird, sind die insgesamt 32 Barockkirchen und -kapellen, die aus der Zeit der Gegenreformation stammen. Auf die erste von ihnen trifft man in Cumbel. Auffällig ist deren roter Turm mit hölzernem Aufsatz und achteckigem Helm, ungewöhnlich für die Region auch die Fensterrahmungen mit Sgraffiti. Beides wird aber an Originalität von dem 1858 erbauten Beinhaus übertroffen, an dessen Front acht Schädel jeweils in einer kleinen Nische platziert sind.
Hauptort des Tales ist Vella, das sich durch einen sehr netten Dorfplatz auszeichnet, den teilweise prächtige Gotthardhäuser rahmen. An seiner Südseite fällt die Kirche St. Sebastian und Rochus ins Auge, deren Fassade Gemälde von Alois Carigiet schmücken, die die hll. Christophorus und Georg darstellen. Von der ursprünglich kompletten Ausmalung, die Hans Ardüser geschaffen hatte, sind nur noch Freskenreste an Chorschulter und Seitenwand erhalten. Direkt hinter der Kirche erhebt sich das prächtige Schloss de Mont, ein im Jahr 1666 erbautes Herrenhaus, das nach seiner Renovierung auch wieder seinem Namen alle Ehre macht.
In Lumbrein sind noch zwei mittelalterliche Wohntürme zu entdecken - einer von ihnen mit auffälligem, zinnenbekröntem Pultdach. Neben etlichen "gestrickten" Bauernhäusern ist die Kirche St. Martin ebenfalls sehenswert. Sie weist als herausragende Besonderheit eine barocke Darstellung des Jüngsten Gericht auf, die die gesamte Innenwand über dem Hauptportal einnimmt.
Hinterste Siedlung des Val Lumnezia ist Vrin, ds 1998 für sein schönes Dorfbild mit dem Wakker-Preis ausgezeichnet wurde, da viele der früheren Wirtschaftsgebäude zwar heute anderweitig genutzt werden, die Bausubstanz dabei aber vorbildlich erhalten wurde. Das unverfälschte, sehr geschlossene Ortsbild wird von Bauernhäusern in hölzerner Strickbauweise bestimmt, die sich über dem Steilhang aneinander drängen. Zu ihnen will die prächtige Barockkirche des Tals nicht so recht passen, bei der der italienische Einfluss deutlich - nicht zuletzt am Campanile - zu erkennen ist. Besonders originell ist das bergseitig angebaute Beinhaus mit umlaufendem Schädelfries. Unterhalb der Kirche wurde die neue Totenkapelle vom einheimischen Architekten und ETH Professor Gion Caminada gebaut, welche wie andere seiner Bauten zum gesamten Dorfbild beitragen.

